Beim monatlichen Kaffeeklatsch am Kiosk in der Feldmark waren diesmal Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt zu Gast. Die Fragenliste an sie war lang.  

Es ist 15 Uhr. Vor dem WAZ-Kiosk gegenüber der Kreuzkirche an der Hans-Böckler-Allee sind vier Bierzeltgarnituren aufgestellt. Unter dem Pavillon sind bereits alle Plätze belegt. Die anderen füllen sich langsam. Es ist Kaffeeklatschzeit, wie an jedem ersten Montag im Monat während der warmen Monate. Manche Gäste kommen mit großen Platten auf dem Arm, Alufolie drüber, Kuchen drunter. Sie haben den Kuchen gebacken, den es gleich gegen eine Spende ins Sparschwein gibt. Der Erlös aus dem Schwein wird hinterher an die Backenden verteilt.

Aber heute geht es ja nicht nur um den Kaffeeklatsch. Heute ist mal wieder Besuch angesagt: diesmal ist es nicht der Oberbürgermeister oder Polizisten, wie bei den letzten Malen. Diesmal sollten es Freigängerinnen aus der Justizvollzugsanstalt um die Ecke sein. Eigentlich.

Freigängerinnen kommen gern inkognito an den Kiosk

Aber in letzter Minute stellte sich heraus, dass nicht Freigängerinnen kommen, sondern JVA-Bedienstete. Ein Missverständnis, so die Erklärung. Dabei kommen einige der Freigängerinnen doch sowieso immer mal hier vorbei, um sich einen Kaffee zu gönnen. Aber eben inkognito, nicht als offizielle Gäste. Und so müssen die Feldmarker – denn das sind alle hier, und zwar mit Leidenschaft – mit den drei Damen vorlieb nehmen, die „im Knast“, wie es hier heißt, arbeiten.

Marie-Luise Ziegert und ihr Mann Wilhelm Rokker leben seit 1984 in der Feldmark. Sie sitzen unterm Pavillon, 50 Zentimeter hinter dem Rücken den Wasserschlauch, der so am Törchen festgebunden ist, dass er feinste Tröpfchen Richtung Kaffeetruppe sprüht, um ein wenig Kühlung zu verschaffen. Das Paar ist fast immer beim Kaffeeklatsch dabei. Heute wollen sie mehr über das Leben in der JVA zu erfahren.

„Mit einer Kur ist der Aufenthalt ganz und gar nicht vergleichbar“

Die meistgestellte Frage am Tisch: „Gibt es eigentlich ein Schwimmbad für die Gefangenen?“ Das Bild von der Kuranstalt JVA hat sich in vielen Köpfen festgesetzt. „Nein, gibt es nicht“, winkt Seelsorgerin Christine Ewert ab. Und auch sonst sei der Aufenthalt mit einer Kur wahrlich nicht vergleichbar. Und nach Absitzen der Strafe sei es für die Gefangenen extrem schwer, einen Arbeitsplatz zu finden. „Das finde ich falsch. Wer seine Strafe abgesessen hat, sollte auch eine neue Chance bekommen“, findet Marie-Luise Ziegert.

WAZ-Kaffeeklatsch-JVA

Wie die denn so zurechtkommen draußen, nach den langen Jahren im Knast, fragt der Herr nebenan. (Es gibt es hier für einen Kaffeeklatsch erstaunlich viele Herren). Christina Hagemann, Abteilungsleiterin im geschlossenen Frauenvollzug erklärt: „Wir bereiten sie ja langsam vor, mit schrittweisen Lockerungen. Da wird niemand unvorbereitet rausgeschubst. Das ist nicht das Problem.“

Am Tisch nebenan sitzen außer dem Kiosk-Chef Ulrich Serowy die JVA-Mitarbeiterinnen Steffi Schnürer und Christina Hagemann, Günter Horstmann, der direkt vom Feierabend von seiner Metzgerei gekommen ist, und Josef Ciesielski. Serowy möchte wissen, wie es mit Sex in der Anstalt ist. Ob das erlaubt ist. „Männer und Frauen kommen in der Anstalt gar nicht zusammen. Weder zum Essen noch sonst. Höchstens bei Kulturveranstaltungen im Haus wie letztlich mit Thorsten Sträter“, erklärt Steffi Schnürer.